Anna geht zum Arzt
- Anna

- Feb 22, 2020
- 4 min read
Updated: Apr 11, 2020
Es ist offiziell: ich bleibe länger!
Es sind zwar nicht alle von meiner Idee begeistert, doch wie ein Sprichwort so schön sagt: “Not everyone will understand your journey but that’s okay, it’s not for them.“
Also bleibe ich noch einen Monat über meinen normalen Abreisetermin hie, der nächste Woche gewesen wäre.
Ob das meinen Abschied leichter machen wird?
Ich glaube es nicht.
Aber mir geht es gut hier und die Tatsache, dass ich hier gebraucht werde und sogar Briefe geschrieben wurden, warum ich verlängern sollte... dabei ging mir einfach nur das Herz auf.
Die letzte Woche war ein hin und her mit einer Menge Umstellungen, da wir neue Arbeitszeiten bekommen haben.
Heißt: Um 6:25 müssen wir alle fertig im Foodprep stehen, um dann zu den enclosuren mit den Baboons zu gehen. Denn wir machen jetzt jeden Morgen einen Baboon Walk mit allen 3 Baboongruppen. Dies klappte bisher tatsächlich besser als erwartet und am ersten Tag bekam ich morgens erstmal direkt eine Kuscheleinheit von Joostie.
Da wir so früh anfangen, gibt es dementsprechend auch mehr Aktivitäten und wir sind, trotz einer Stunde länger Mittag, abends alle ziemlich müde.
Doch trotzdem macht die Arbeit den meisten immer noch genauso Spaß wie vorher.
Leider bin ich seit drei Tagen mehr oder weniger außer Betrieb, da mein Auge sich mal eben für eine Bindehautentzündung entschieden hat und kaum Besserung in Sicht ist. Und das obwohl ich gestern fast einen ganzen Tag im Bett mit Augen zu verbracht habe, um mein Auge zu schonen...was mir ziemlich gegen meine Prinzipien ging.
Am Mittwoch hieß es dann: Anna muss zum Arzt.
Ein kleines bisschen Respekt hatte ich schon davor, in Namibia zum Arzt zu gehen, doch ich wurde positiv überrascht.
Die Praxis war super modern und steril, das Personal und der Arzt total freundlich und nach weniger als 30 Minuten war ich wieder draußen.
Also liebe deutschen Ärzte: nehmt euch da mal ein Beispiel dran! 😛
Da es trotz der antibiotischen Augentropfen heute noch nicht besser ist, muss ich nochmal hin. Deshalb sitze ich jetzt mit den Besitzern der Farm im Auto und fühle mich schon ein bisschen unwohl. (Vor ihr habe ich irgendwie ein wenig Respekt haha)
Nachdem ich am Mittwoch vom Arzt kam, wurde ich mit zum Lionfeeding genommen, wo wir einen ganzen Esel an die sechs Löwen verfüttert haben.
Mal etwas ganz besonderes.
Deshalb kamen auch nicht nur die Coordinatorin und ein paar Volontäre mit, sondern direkt die ganze Mannschaft an Buschmännern, um den Esel ins enclosure zu befördern, die Chefin selbst und und und.
Zu Beginn gingen wir alle davon aus und hatten Angst, dass das Ganze in einem Kampf ausartet, doch die sechs legten sich alle um den Esel und teilten, zwar nicht ganz gerecht, aber immerhin.
Es war so schön anzusehen, wie sie alle dort gemeinsam lagen und fraßen.
Zu Beginn hätte ich nie gedacht, dass ich die Hemmschwelle bezüglich toten Tieren und Fleisch so schnell und so gut überwinden kann, und sogar ganze tote Tiere, egal in welchem Format, verfüttern kann.
Letzte Woche war ich einen Tag Nachmittags auf Interaction und, da ich mich absolut unnütz gefühlt hätte, wenn ich nur Tiere gestreichelt hätte, habe ich die Idee von Adelle und mir umgesetzt und habe für unsere beiden Vervets Mojo und Rafiki, Spielzeuge aus leeren Pfandflaschen, gebastelt.
Dort habe ich dann leftovers, Beeren und Süßigkeiten reingepackt, ein paar Löcher reingeschnitten und Adelle und ich haben uns zu den beiden ins enclosure gesetzt und zugeschaut, wie sie gekämpft haben, das Futter rauszubekommen.
Es war wirklich toll mit anzusehen, wie man aus so kleinen Dingen etwas ganz besonderes für die Tiere machen kann.
Die Beiden waren auf jeden Fall begeistert und für die nächsten eineinhalb Stunden beschäftigt.
Am Samstag machten wir anstelle unseres üblichen Sports etwas ganz Spezielles und wurden mit dem Traktor zum Picknick-Spot gefahren, wo ein riesiges Bondfire, was mehr an ein kleines Osterfeuer erinnerte, und traditionelles Essen, auf uns wartete.
Wir verbrachten unseren Abend also gemeinsam dort bei passender Musik, guten Drinks und wirklich gutem Essen.
Mal etwas Anderes, was man nicht so schnell vergessen wird!
Und noch eine neue Sache: Sina kommt heute wieder!
Ich bin so froh, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Noch weiß sie nicht, dass ich verlängert habe und Joschka und ich werden sie nachher noch ein bisschen auf die Folter spannen, wenn wir die Newbies in Empfang nehmen.
Das wird auf jeden Fall eine Bereicherung für unser aktuelles Team, denn im Moment kann man mit vielen der Volontäre leider relativ wenig anfangen, und wir brauchen mit 21 Mann länger, als wir zwischenzeitlich mit 5 Mann. Das ist wirklich traurig und zerrt ganz schön an den Nerven.
Doch ich bin sehr auf die anderen Neuzugänge gespannt!
Statusupdate das Erste:
Ich sitze im Spar und trinke einen Kaffee.
Der Arzt hat mich gebeten um 2 PM wiederzukommen, da er erst den Augenspezialisten in Windhoek kontaktieren muss, was wir jetzt mit mir anstellen. Da ich meinte, ich will heute auf keinen Fall nach Windhoek fahren, meinte er, er fragt nach, was man mir alles geben kann, damit es besser wird und dann schauen wir weiter.
Ich bin gespannt..
Zwischenfazit:
Ich bin komplett überfordert mit den ganzen Menschen und äußeren Einflüssen, keine Ahnung wie das werden soll, wenn ich wieder Nachhause komme.
Statusupdate das Zweite:
Ich soll mit den Tropfen einfach weitermachen, habe zudem eine Ibuprofen-Paracetamol-Codein-Tablettenbombe verschrieben bekommen, mit der Hoffnung es ist bis Montag besser, ansonsten muss ich nach Windhoek zum Augenspezialisten.
Also Daumen drücken Leute!
Als ich gerade noch ein paar Einkäufe im Spar erledigen wollte, kamen mir auf einmal ein Coordinator und seine Freundin entgegen, die meinen Namen riefen.
Die Freude war riesig und als er mir sagte, dass Sina und die anderen Newbies gegenüber an der Tankstelle sitzen, rannte ich direkt hin, sie konnte ihren Augen kaum trauen.
Danach war ich noch mit den Besitzern der Farm einkaufen, und irgendwie fühlte es sich an, wie damals mit Oma und Opa einkaufen zu gehen.
Ich bekam sogar ein Eis. Haha.






















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