Corona-Volontäre auf Wohlfahrt
- Anna

- Aug 21, 2020
- 7 min read
Sieben Tage sind wir nun schon unterwegs.
Sieben Tage voller Überraschungen, wunderschöner Erlebnisse und Planänderungen. Aber das ist es wert!
Ich meine was gibt es schöneres, als bei strahlend blauen Himmel, einem Bier und himmlischer Ruhe, die Natur Afrikas zu genießen, mitten im Waterberg Reserve.
Ich glaube wir machen gerade absolut das beste aus der ganzen Coronakacke.
Am Montagmorgen haben wir Harnas verlassen. Den ganzen Tieren auf Wiedersehen zu sagen fiel mir noch schwerer als ich es mir vorstellen konnte. Ich weinte so viel, es war ein Wunder, dass ich nicht ausgetrocknet bin. Meine ganzen Lieblinge haben es auch gespürt, dass wir bald nicht mehr dort sein werden, denn sie waren alle ruhig.
Selbst Mojo, unser kleiner Teufel, war auf einmal so einfühlsam, dass er mich umarmte und mir meine Tränen von der Wange leckte.
Alleine bei dem Gedanken daran, wie mich Mauritz anschaute, als ich das enclosure verließ, kommen mir wieder Tränen.
Doch es war Zeit zu gehen. Am diesem Ort läuft leider vieles nicht so, wie es sein sollte.
Doch ich werde nicht jetzt und hier darauf eingehen, dafür ist das Ganze noch zu frisch, sonst bekommen es einige wieder in den falschen Hals.
Unser Trip begann also am Montag.
5:30AM.
Um 5:27 AM wachten Sina und ich auf. Verschlafen. Perfekt.
So konnte es ja nur noch besser werden, und das wurde es auch, denn Tizi hatte um 10:30 in Windhoek einen Termin, doch leider kamen wir nicht vor 9 Uhr aus Gobabis los, denn unser Bus, mit dem wir gefahren wurden, hatte keine Papiere.
Also warteten wir so lange am Straßenverkehrsamt und kamen erst um 11 Uhr irgendwas in Windhoek an. Termin verpasst.
Wir holten also unsere beiden Autos ab und besorgten alles, was wir so brauchen und schon war es dunkel draußen. Somit kamen wir erst gegen 20 Uhr in unserer ersten Unterkunft in Windhoek an.
Am nächsten Morgen verließen wir Windhoek dann Richtung Süden.
Dass wir damit gerade so dem Lockdown entgingen, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Wir fuhren über Solitaire nach Sossusvlei.
In Solitaire haben wir einem Mann den Tag gerettet, indem wir Apfelkuchen und ein paar von uns Kaffee oder Souvenirs gekauft haben. Seit Corona kommt kaum eine Menschenseele mehr vorbei, außer Einheimische mal zum tanken. Vorher war dieser kleine Ort eine Große Touristenattraktion, über 1000-1500 Menschen am Tag kamen vorbei auf ihrem Weg nach Sossusvlei.
In Sossusvlei angekommen war es schon dunkel. 1 Regel gebrochen.
Fahrt niemals nach 17 Uhr.
Als wir vor dem Tor von dem Campingplatz standen, war es zu.
Kein Kopf. Kein Wärter. Nichts.
Ansi und ich fuhren zurück zum Eingang, wo man nach Sossusvlei fahren konnte. Dort stand noch jemand. Ich fragte ihn, er rief jemanden an. Kurz darauf konnten wir rein. Bis auf ein anderes Auto war niemand dort.
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker früh, denn wir wollten hoch auf die Dünen.
Als wir um 7:15 Uhr am Gate standen, hieß es, erst ab 7:30. Der selbe Typ von gestern Abend. Ich schaute ihn skeptisch an. Teilte ihm mit, dass uns gesagt wurde, Eingang ab 6:30. Er willigte ein.
Also fuhren wir ca. eine Stunde zu den Dünen und es sah aus wie eine Filmkulisse.
Eine geteerte Straße. Ab und zu etwas Sand darauf. Ein Strauch wehte darüber. Und weit und breit nichts.
Irgendwann hörte die Straße auf und ich fuhr das erste mal 4x4. Der Hinweg klappte super, der Rückweg war hingegen etwas holprig, sodass ich Panik bekam und Tizi übernehmen musste.
Wir wanderten die Dünen entlang und Big Daddy hinauf. 325m hinauf. Völlig fertig und glücklich schauten wir auf die atemberaubende Landschaft herunter. Außer uns war niemand da.
Anschließend rannten wir die Flanke der Düne herunter. 6:27min.
Abends erreichte uns dann die Nachricht. Namibia geht wieder unter Lockdown. Erongo & Khomas Region sind komplett gesperrt. Dass wir den Tag darauf da durch müssen, zerstörte unsere ganzen Pläne.
Also telefonierten wir rum, setzten uns mit der Landkarte hin, umkreisten die gesperrten Regionen mit einem schwarzen Marker und schauten, welche Straßen man hoch in den Norden nehmen kann. Jetzt mussten wir komplett außen rumfahren.
Aber was soll’s. Wir haben ja eh 10 Tage mehr, da unser Flug mal wieder gecancelt wurde.
Wir fuhren los. Keine Ahnung wohin eigentlich genau, aber irgendwo werden wir schon ankommen, dachten wir uns.
Nach unserer zweiten Pause kam Hannah die Idee, ob wir nicht Freunden von Harnas Schreiben wollen, welche jetzt eine eigene Lodge haben.
Gesagt, getan.
Der Rest des Weges war etwas kritisch. Das andere Auto rutschte in der Kurve weg und Steine blieben zwischen Felge und Reifen stecken, sodass Luft entwich.
Da standen wir also nun. Mitten in der Pampa, Riesen Baboon Tracks in dem Sand vor uns und die untergehende Sonne tauchte den Himmel und den Busch schon langsam in die schönsten Rottöne.
Wir wechselten die Reifen schneller als gedacht und zum Glück haben wir die 2 Jungs dabei, ansonsten hätten wir dort vermutlich noch genächtigt.
Den Rest des Weges meisterten wir ohne weitere Komplikationen und zum Glück fixten zwei freundliche Männer dieses Problem mit den Reifen am nächsten Tag.
Wir verbrachten drei Tage in der Lodge von unseren Freunden, halfen ihnen mit neuen Ideen für Rezepte für die Speisekarte und gaben ihnen weitere Ideen.
Es war schön, die beide wiederzusehen.
Anschließend brachen wir auf und fuhren weiter Richtung Norden.
Nächstes Ziel: Waterberg.
Wir fuhren ein gutes Stück, locker 5 Stunden. Bis wir irgendwann auf den Schotterweg mit der Beschilderung des Waterberg Reserves kamen.
Ab da war der Weg wieder sehr abenteuerlich.
Und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr sich die Landschaft innerhalb von ein paar Kilometern einfach ändert.
Das ist so unglaublich, ich glaube das kommt bei mir immer noch nicht ganz an. All die Eindrücke.
Im Waterberg Nationalpark mussten wir erstmal etwas Höhenmeter hinlegen, um zur Rezeption zu kommen. Dort wurden wir auch schon herzlich erwartet.
Wir hatten die Wahl zwischen den beiden Campsite Anlagen und allen Stellplätzen, denn wir waren die einzigen. Inklusive Staff und uns, im gesamten Park: 21 Menschen. Alleine diese Vorstellung war verrückt. Normalerweise ist es Hochsaison und hier wäre es völlig überfüllt. Doch seit März war dort kein Gast mehr.
Unsere Aktivitäten waren demnach nur für uns.
Kurz nach unserer Ankunft wurden wir von einem Tourcar abgeholt zu unserem Rhino drive.
Mal Gast zu sein, nicht die Türen aufzuhalten, die Coolerbox aus dem Auto zu holen und aus- und wieder einzuräumen, war einfach viel zu merkwürdig.
Irgendwie vergleicht man sehr sehr viel mit den Sachen auf Harnas. Ob das irgendwann weniger werden wird?
Vor unserem Game Drive meinte der Tourguide noch, dass wir nur so 40-50 m an die Rhinos ranfahrend können, da sie nicht mehr so an Menschen gewöhnt sind, da so lange keine Gäste mehr da waren.
Also fuhren wir los und ich bin mir sicher, dass er noch nie eine solche Gruppe an Touristen bei sich im Auto sitzen hatte.
Als wir nach ein paar Metern Baboons sahen, fingen wir alle an wir die bescheuerten zu lipsmacken.
Er lachte nur.
Bei jedem Tier, was wir sahen, sagte er den Namen, von uns kam meistens nur ein “Ohh okay.” oder “Yaa.”, denn all die Antilopenarten sahen wir schließlich jeden Tag auf Harnas und auch auf unserem Weg.
Dann meinte er:”Rhino on the Road!”
Und fuhr immer näher ran, bis wir keine 5m von ihm entfernt zum stehen kamen. Er stieg aus, lief ums Auto und öffnete die Tür.
Wir sollen aussteigen?
“Ya, come!”, meinte er nur.
Und da standen wir also. Es lief genau 2 m vor uns entlang und es war gigantisch.
Dass wir da standen, interessierte es null.
Kaum ein paar Meter weiter fanden wir 6 weitere Breitmaulnashörner.
Er erzählte uns, dass diese 7 Nashörner der Familie Rust gehören, den Besitzern des Parks. 2 Männer bewachen diese Gruppe Tag und Nacht, um die vor Wilderern zu beschützen.
Als das Baby immer näher zu uns kam und die Mutter natürlich folgte, klatschte unser Tourguide nur in die Hände, scharrte mit einem Bein durch den Sand und machte merkwürdige Geräusche.
Gut, vielleicht sind wir nicht die einzigen, die einen kleinen Schaden haben.
“Maybe we schould go a little bit back, this one here. The little one. Not used to human being. The other baba ya. But this na.”
Alrighty.
Als wir später unseren Stopp machten, ein Bier tranken und uns den Sonnenuntergang anschauten, hatten wir ein paar sehr skurrile Unterhaltungen mit ihm.
“Did you ever do shit-spitting?”, fragten wir.
Er schaute uns verwirrt an :”No.”
“Do you wanna try? It’s just gras, you just take it and then make like this, but this is quite big kack, what kack is it?”, meinte Hannah.
Und da ging es dann los. Bei jedem Haufen fragte sie nach, wir konnten nicht mehr vor lachen. Ich hoffe er hatte auch ein bisschen Spaß mit uns.
Am nächsten Morgen ging es dann wandern/klettern mit David, auf das Waterberg Plateau, auf 1600m Höhe.
Der Weg hoch war zwar nur Fels, aber gut machbar, runter war es dann etwas komplizierter.
Bevor wir allerdings starteten, gab er uns ein paar Hinweise:
“We have Rhino and Buffalo up there. If you see them, don’t run. Don’t scream. Go to next tree or rock. Rocks like this. And then you can take a lot of pictures and videos.
Because they can’t climb. We also have leopard. They’re in trees now and sleep, so all good.”
“But what if there is a leopard in one of the trees we are climbing in?”
“You know, you go up on this side and he will go down on the other side.”
Interessant. Mal schauen ob das so sein wird, dachte ich mir.
“And we have a lot of snakes. I know, they’re god’s creatures, but for me. I accept them but I don’t like them. They just bite for no reason. They’re evil.”, meinte er ergänzend.
“Satan.”
“Ya, Satan creature. But now, let’s go and let’s make story.”, und lief los.
David war super, er hat das Ganze echt super interessant gestaltet, uns über die Tradition von Bushman und Himba aufgeklärt, wie sie gejagt haben, wie man Tiere trackt und auch den Unterschied zwischen Männchen und Weibchen, nur anhand von den Ausscheidungen und er erzählte uns von seiner Kultur und Geschichte des Stammes.
Als wir wieder unten ankamen genossen wir noch den Panoramablick aus dem leergefegten Restaurant auf den Waterberg und kochten anschließend typisch deutsches Bauernfrühstück zum Abendessen, auf unseren Gasherden, mit Besuch aus dem Gedicht, Stachelschweinen und Honigdachsen.
Jetzt geht unsere Reise weiter in den Norden: Caprivi Strip.
















































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