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Hippos auf Luftmatratzen

  • Writer: Anna
    Anna
  • Aug 30, 2020
  • 5 min read

Unsere Reise ging also weiter Richtung Norden. Caprivi war unser nächstes Ziel.

Wir erreichten nach gut 5h Fahrt ein Camp in Rundu, welches wunderschön grün war. Überall blühte es und es sah nach Leben aus.

Völlig verrückt. Denn auf der Fahrt immer nördlicher zur angolanischen Grenze, nahm die Zivilisation immer weiter ab. Kleine Hütten aus Stöckern, teilweise noch nicht vollendet, unendlich viele Ziegen und Rinder, Menschen die schwere Lasten auf dem Kopf und in beiden Händen transportieren, andere Transportmöglichkeiten wie Autos gab es nur selten.

Dennoch wurde es, je näher man Richtung Okavango River fuhr, grüner und grüner. Und das was das Paradies.

Es war in dem Moment schade, dort nur eine Nacht zu verbringen, doch zu dem Zeitpunkt wussten wir nicht, was noch auf uns wartet.

Also machten wir einfach das beste daraus, setzten uns an das Flussufer mit Blick auf Angola und schauten der Sonne beim untergehen zu und wie sie den Himmel und das Wasser in die schönsten Farbtöne tauchte.

Am nächsten Morgen fuhren wir weiter, ein gutes Stück und machten dabei im nächstgelegenen Ort, Divundu, einen Stopp, um das nötigste einzukaufen.

Normalerweise gibt es in jeder kleinen Stadt einen Spar, Shoprite oder Pick n Pay. Doch hier gab es nur die Metro.

Von „Social Distancing“ keine Spur. In dem Laden lief Afrikanische Musik auf voller Lautstärke, alle drängelten sich an dir vorbei und an der Kasse fühlte man sich wie Sardinen in einer Büchse, dazu kamen noch diese unfassbar furchtbaren Masken. Alle anderen trugen diese zum Großteil nur über den Mund, sodass die Nase frei blieb. Kann mir das bitte mal jemand erklären? Dann lasst sie doch bitte gleich weg.

War ich froh, aus diesem unfassbar stickigem und warmen Laden zu kommen. Nach über acht Monaten Busch, bin ich sowas einfach nicht mehr gewöhnt.

Jedoch sind nicht nur die Menschen mit „Social Distancing“ und der Maskenpflicht schluderig unterwegs.

Als wir an unzähligen Roadblocks vorbeikamen, wurden wir gerade mal an zweien nach unserem Führerschein gefragt und bei einem wurde Fiebergemessen.

Ich fuhr das vordere Auto. Der Militärpolizist hatte zuerst bei mir die Temperatur gemessen, dann bei Tizi er neben mir saß. Da er nicht an Ansi`s Stirn rankam, da er auf der Rückbank saß, drückte er mir einfach das Thermometer in die Hand.

Welche Zahl da letztendlich draufstand, interessierte ihn aber auch nicht.

Als Sina und Hannah dann anhielten, waren die Militärpolizisten so damit beschäftigt, bei sich gegenseitig Fieber zu messen, dass sie erst nach einer gewissen Zeit das Auto mit den Beiden bemerken und sie einfach nur durchwirkten.

Ein weiterer wollte Hannah`s Kopie des Führerscheins erst nicht akzeptieren und machte ein wenig Drama. Als er es dann doch tat, fragte er die beiden, wo denn die Jungs seien, um au sie aufzupassen. Hannah meinte dann, die würden in dem anderen Auto sitzen. Der Polizist schüttelte nur den Kopf.

„Three girls, two boys. That means one is alone. Tztz. This is not fair.“

Er winkte uns durch und wünschte uns weiterhin eine gute Fahrt. Anscheinend tat ihm die Sonne nicht so gut, die gnadenlos auf seinen hohlen Kopf einbrannte.

Als wir in unserem nächsten Camp ankamen, waren wir noch begeisterter als im vorherigen.

Die Campsite war direkt am Wasser, von dort aus hatte man eine traumhafte Aussicht zum Bwabwata Nationalpark (Buffalo Park) und sah unzählige Elefanten, Hippos, Antilopen, etc. Demnach entschieden wir, auch weil der Preis es hergab, dort drei Nächte zu verweilen.

Die Nächte wurden von den verschiedensten Geräuschen untermalt.

Hippos, die sich anhörten, als würde sich jemand auf einer Luftmatratze hin und herwältzen, Elefanten beim Trinken und Tröten und Löwengebrüll. Es war ein Traum.

Zudem unternahmen wir einige Ausflüge.

Mein absoluter Favorit: Dinnercruise auf dem Okavango River.

Sicherlich wurde das meistens von Ü40 gebucht und wir rissen den Altersschnitt drastisch nach unten, doch es war super schön.

Wir stiegen auf eines der Boote der Lodge, einer vom Staff begrüßte uns mit den Worten:“This is our captain. He will fly us to the secret island. There we wil make a fire and the chef will cook for you. Then we will fly back.“

Er bezeichnete sich selbst als Tourguide, doch wir alle denken, „kannst du ein Auto fahren, bist du als Tourguide geeignet, so einfach ist das“, denn die paar Safaris die wir mittlerweile erlebt haben... was soll ich sagen... wirklich viel gelernt haben wir dabei nicht. Es war schön nicht selbst


fahren zu müssen, doch deshalb haben wir uns auch dazu entschieden hier in Etosha alles selbst zu fahren.

Denn wenn man fragt, welcher Baum das ist und was für Früchte daran wachsen und dann als Antwort nur kommt:“This tree? Ah, eh, this tree. We call ist Sausagetree.“

„And what about the“Sausages“?“, keine Antwort, weiter mit der Fahrt.

Doch der Typ vom Dinnercruise verdient um Unterhaltungswert eindeutig 5/5 Sterne.

Dieser Abend hätte wirklich wie aus einem Prospekt sein können, genauso wie das Essen.

Die Safari am nächsten Tag hingegen war, wie sich vielleicht schon erahnen lässt, nicht ganz so spektakulär. Wir sahen zwar recht viel, leider keine größeren Katzen, dafür aber deren Tracks.

Der nächste Stopp war ein kleineres Camp. Alles sehr familiär. Am Kawango River. Das ältere Ehepaar, was dieses Camp leitet, erinnerte uns alle sehr an das Ehepaar von dem Film Oben!. Sie gaben uns die größte Campsite, ebenfalls direkt am Wasser. Es war leider nicht so schön grün, wie es die anderen beiden waren, jedoch war es idyllisch und ruhig.

Dort verbrachten wir ebenfalls zwei Tage und der Ehemann, Hennie, warnte uns vor dem Haustier der Lodge. Humphrey.

Humphrey ist ein Hippo. Eigentlich sind es drei Humphreys.

Er erzählte uns, dass der Security Typ, der ja eigentlich für Sicherheit sorgen sollte, so überfordert mit einem der Humphreys war, welcher mal wieder am Pool gechillt hat, dass er panisch zu Hennie gerannt kam.

Hennie meinte, er solle sich beruhigen, er regle das.

Als er dann zurückkam und meinte, alles sei in Ordnung, das Hippo sei weg, schaute er ihn mit großen Augen an und fragte, wie er das nur gemacht hätte.

Hennie sagte, er hätte nur mit ihm geredet und ihn gebeten zu gehen und das hätte er wohl auch getan.

Ungläubig fragte der Security Mann dann „Which language?“.

Hennie war klasse. Er war ein richtiger Abenteurer, der sich mit seiner kleinen Lodge und seinem Boot nach seiner Zeit bei der Army seinen kleinen Traum erfüllt hatte. Er war ein kleines wandelndes Lexikon. Und das klein beziehe ich auf die Körpergröße. Sein Wissen hingegen war gigantisch und ginge es danach müsste er mindestens fünf Meter groß gewesen sein.

Als wir Nachmittags mit ihm eine Bootstour machten, fuhr er uns mit seinem Auto zu dem Anlegeplatz von seinem kleinen Boot. Im Auto schon setzte er seinen khakifarbenen Anglerhut und seine Sonnenbrille auf, zusammen mit der khakifarbenen Radlerhose und dem Sandfarbenen Hemd vollendete dies das Rangeroutfit.

Er sah so glücklich aus, als er auf seinem Boot stand, uns alles mögliche über jeden einzelnen Vögel, jede einzelne Pflanze und jedes Tier erzählte, was wir vom Wasser aus erspähten.

Er hatte Erfahrungen, das merkte man sofort, und er ließ uns daran teilhaben. Er berichtete uns über die Vergangenheit und es war der Wahnsinn.

Ich bin so dankbar, diesen Menschen auf der Reise getroffen zu haben.

Die vorletzte Etappe war hingegen sehr unspektakulär. Wunderschön aber mehr oder weniger nur zum entspannen.

Anschließend ging es zurück nach Rundu, von wo aus die nächste Etappe startete.


 
 
 

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