Catch me if you can
- Anna

- Apr 24, 2020
- 4 min read
Heute habe ich eine merkwürdige Beziehung zu einem Tier aufgebaut, welches ich in meiner Zeit hier immer mehr lieb gewonnen habe.
Es ist kein Affe. Es ist keine große Raubkatze. Es ist ein Geier.
Ja, ihr könnt denken was ihr wollt, aber dieser eine Geier ist besonders.
Bisher habe ich von den vier Geiern, immer zwei mit der Hand gefüttert. Als ich heute das enclosure geputzt und gerakt habe, folgte er mir auf Schritt und Tritt.
Ich bückte mich, um die vertrockneten Blätter aufzusammeln und er kam immer näher, bis er keine Armlänge vor mir stand.
Vorsichtig pickte er ein paar Blätter aus dem Eimer. Ich schaute ihn skeptisch an und er schaute mir genau in die Augen.
Dann fing er an, ganz sanft an meinem Knie und meinem Arm zu knabbern.
Nach einer Weile ging ich, um das Fleisch für die Vier zu holen.
Ich verteilte die Knochen wie üblich, und etwas von dem Fleisch, den Rest warf ich den beiden anderen wieder zu.
Er kam immer und immer näher, bis er das Stückchen Fleisch direkt aus meiner Hand nahm.
Definitiv eine der merkwürdigsten Erlebnisse diese Woche.
Obwohl diese Woche bisher schon voll von komischen Ereignissen war, ganz nach dem Motto: Expect the unexpected.
Seid ihr schon einmal mit einem Auto fast in die Luft geflogen?
Ich auch nicht...bis gestern.
Marcel und ich fuhren mit einem alten Defender auf Lionfeeding.
Der strenge Geruch von Rauch stieg uns in die Nase und wir wussten zu dem Zeitpunkt nicht, wo wir es zuordnen sollten.
Als die ganze Fahrerkabine voller Rauch war und unter dem Beifahrersitz Funken sprühten, hielt die Coordinatorin den Wagen an und Marcel und ich sprangen im selben Moment schon hinten raus.
“Why did you guys jumped out of the car?”
“Didn’t you saw that???”
Das ganze Auto qualmte und wir standen mitten im Nirgendwo, im namibischen Busch.
Nichtmal das Funkgerät funktionierte, und es dauerte 10 Minuten, bis wir jemanden erreichten.
Dazu kletterte unsere Coordinatorin auf dem Wagen rum, um Signal zu bekommen.
Eine halbe Stunde später kam dann ein Mechaniker um das Problem zu fixen. Dieser afrikanische Weg war mir ziemlich suspekt, also saß ich den Rest der Fahrt wie auf heißen Kohlen.
Das war das zweite Mal an diesem Tag, wo ich aus einer kritischen Situation geflüchtet bin, denn als wir alle in der Mittagspause ins Village gingen um zu duschen, hatten wir unangenehmen Besuch.
Ich shampoonierte gerade meine Haare, als ich ein merkwürdiges Geräusch hinter mir hörte.
War Enrico mitgekommen?
Ich drehte mich vorsichtig um und sah einen riesigen Vervet auf meiner Dusche sitzen.
Mit dem Rücken zu mir, challangte er eine Person auf der anderen Seite.
Ich nahm mir langsam mein Handtuch, schloss so leise wie möglich die Tür auf und schlich aus den Duschen. Ich ließ alles stehen und liegen. Das Wasser lief noch, mein Handy lag neben dem Vervet und spielte AnnenMayKantereit und ich rannte, mit Shampoo in den Haaren, zur nächsten Cabin.
Als ich mich beruhigt hatte und zurückging, sah ich Ansi mit seiner Zwille die Vervets chasen.
Mittlerweile waren es 7...
Ich ging zurück zu meiner Dusche, drehte das Wasser ab.
„Marcel, hast du das mitbekommen?“
Er kam im Handtuch aus der Dusche und schaute mich verwirrt an.
„Was genau meinst du?“
„Der verdammt riesige Vervet, der hier auf den Duschen saß und gechallangt hat?“
Natürlich hat er nichts mitbekommen, und so rannte er, mit den Handtuch umwickelt und einem Stein in der Hand, aus den Duschen und half Ansi die Störenfriede zu vertreiben.
Wir genießen unsere Zeit trotz der Coronakrise wirklich sehr, und das obwohl wir hier feststecken.
Verfügbare Flüge nach Deutschland werden immer weiter nach hinten geschoben und mein Reisepass schwirrt irgendwo in Windhoek rum, mit der Hoffnung, mein Visum erneut verlängert zu bekommen.
Es wurde jetzt nämlich endlich, nach 2 Monaten illegalen Daseins, bis Ende April bestätigt.
Da das schon sehr bald ist, muss es jetzt wieder verlängert werden.
Wenn der ganze Prozess genauso lange dauert, wie der erste, komme ich wahrscheinlich bis Weihnachten nicht mehr zurück.
Um unsere Zeit hier aber so angenehm wie möglich zu gestalten, versuchen unsere Headcoordinatorin und ihr Mann alles Mögliche!
Zum Beispiel dabei zuzusehen, wie unsere sechs Löwen ein ganzes Wilderbeest verdrücken und dabei den Sonnenuntergang anschauen.
Oder einen Nightdrive durch das riesige Harnas Gelände.
So sind wir also gestern Nacht um 8PM mit dem Tourcar und einem Spotlight durch die Dunkelheit gefahren, haben Stargazing, Tracking und Springhare hunting gemacht.
Von Giraffen und Zebras, über Bat-eared Foxes und Schakalen bis zu Chameleons und diversen Vogelarten, haben wir alles gesehen.
Als es dann zum Ende unseres Nightdrives zuging, fragte der Mann unserer Headcoordinatorin, ob die Jungs bereit seien.
Da sahen wir schon eine ca. 40cm große Gestalt durch den Busch springen und von 0 auf 100 rannten die fünf, wie die Neandertaler, hinterher.
Nach dem sechsten Versuch haben sie es tatsächlich geschafft, die Mischung aus Hase und Känguru zu fangen.
Keine Sorge, es hat sich niemand verletzt und dem Kleinen geht es auch noch gut.
Außerdem geht es hier so langsam auf den Winter zu und die Temperaturen fallen in der Nacht von bis zu 30 Grad auf einmal auf gerade mal 10.
Da fast alle ausschließlich für Sommer gepackt haben und dementsprechend kaum warme Kleidung dabeihaben, frieren wir uns hier teilweise ganz schön einen ab.
Doch Sina und ich haben es mit unserer Cabin, die keinen Holz-, sondern Betonboden hat, echt gut.






















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