Einmal zwei Volontäre zum verfüttern bitte
- Anna

- Jan 7, 2020
- 6 min read
Updated: Apr 11, 2020
Dass ich das letzte Mal geschrieben habe ist schon etwas länger als nur eine Weile her, aber so wirklich Zeit findet sich hier nicht.
Darum nutze ich jetzt mal meine Mittagspause, bei traumhaften Wetter, denn Sonntags haben wir eine Stunde länger Zeit.
Ich sitze hier gerade am Pool, schaue auf die Wiese, sehe Ham, unser etwas zu dickes Warzenschwein, inmitten von Schmetterlingen auf der Wiese in der Sonne liegen, Enrico, unser kleiner Vervet, springt hier von Mensch zu Mensch und landet ab und zu dann doch mal im Wasser und sieht aus wie eine kleine Ratte.
Ich hab zwar noch 8 Wochen vor mir aber ich kann mir jetzt schon nicht vorstellen, nachhause zu fliegen.
Nicht, weil ich meine Familie und meine Freunde nicht wiedersehen will oder sie nicht vermisse, das tue ich auf jeden Fall, sehr sogar, sondern es ist einfach die Tatsache, morgens aufzustehen und nicht im Busch zu stehen, die Löwen brüllen zu hören, sich zu fragen, was das gerade für ein Tier ist, was da um deine Cabin schleicht, jeden Tag was neues, unerwartetes zu erleben und sich einfach frei zu fühlen, sondern wieder im Alltag und dem ganzen “normalen“ Leben gefangen zu sein.
Zu arbeiten, zu studieren, und und und.
Aber genug davon, ich habe noch 8 wundervolle Wochen, die vor mir liegen, in einem neuen Jahr, und wo wir schon dabei sind, wünsche ich euch allen erstmal ein frohes neues Jahr, ein bisschen verspätet, aber das Wlan und meine Zeit und, ich muss ehrlich zugeben, auch meine Lust zu schreiben, hat es vorher nicht hergegeben.
Wir hatten hier ein wunderschönes Weihnachten sowie auch Silvester.
Auch wenn wir gerade wirklich nicht viele Freiwillige sind, haben wir definitiv das Beste daraus gemacht.
Gemeinsam mit dem ganzen Staff und der Familie von der Besitzerin haben wir gegessen und anschließend noch an der Bar etwas getrunken, später am Abend haben wir dann geschlossen noch ein Bondfire bei uns im Village gemacht und den Abend ausklingen lassen.
Wie jeden Donnerstag flossen auch am zweiten Weihnachtsfeiertag Tränen, denn zwei wundervolle Menschen verließen uns leider. Der Vormittag war einfach nur furchtbar, die Weihnachtsstimmung, die aufgrund der Hitze ja sowieso nicht so wirklich aufkam, war schon am Mittwoch fast komplett verschwunden, und als wir dann am Bus standen und ihnen zum Abschied winkten, letztendlich vollständig.
Doch als wir in der Mittagspause am Pool saßen, der Großteil von uns schlief und ich mich mit einer anderen Freiwilligen unterhielt, kam bei den Gästen plötzlich ein wenig Panik auf.
“Baboons out“.
Sina und ich standen auf, um zu schauen, was an der Sache dran ist und sahen ziemliche Monster von Baboons auf dem Teenager enclosure rumspringen.
Da ein Freiwilliger aus meiner Gruppe vor dem enclosure stand, dachte ich mir, das werden wohl unsere Baboons sein, helfe ich mal.
Ich machte mich auf den Weg und es rannte ein riesiger Baboon, von der Größe eines kleinen Gorillas, an mir vorbei.
Er schrie, und es schauten Zähne mit der Länge von locker 6 cm raus.
Das sind definitiv nicht meine Baboons, ich machte auf der Hacke kehrt, ging zurück zum Pool, sagte den anderen Bescheid, zweit schliefen immer noch.
“Sollen wir die beiden wecken?“
“Jaa!!!“
“Buschman-Baboons out!, aufwachen!“
Wir ernteten erschrockene Blicke, so schnell standen die Beiden noch nie auf.
Es dauerte gefühlt ewig, bis die Baboons wieder im enclosure waren.
Nora fragte uns, als wir in der Bar darauf warteten, dass wir wieder raus können, wo denn ihr Bruder ist.
„Der hilft die Baboons wieder einzufangen.“
“Der soll seinen Arsch hierherbewegen!!“
Denn er half ganz mutig, Hendrick zu chasen, den größten Baboon den wir hier haben, mit der Kraft von 7 Männern. (Also Malvin, falls du das hier ließt, die Story mit der Spinne lass ich mal aus ;))
Damit war die traurige Stimmung zumindest ein bisschen aufgelockert, aber die beiden fehlten immer noch, und sie fehlen auch jetzt noch, denn es ist einfach nicht das selbe ohne sie, genauso wie die Wochen davor, als schon 3 andere gegangen sind.
Doch ich bin mir sicher, dass wir uns alle irgendwann wiedersehen!
Als Talea und ich auf unserer ersten gemeinsamen AM-Tour waren, fing der Tag schon ziemlich lustig an.
Um 8:50 müssen wir immer die Mongoose rufen.
Also standen wir auf dem Rasen und fingen mit dem “PRRRRRRRRRRRRRRR.....“ an, wo jeder denkt, man hätte sonst was für Störungen. Da ich manchmal ein bisschen zu unfähig dafür bin und meine Zunge sich dabei einfach überschlägt, klingt das bei mir mehr wie eine Katze auf Crack, sodass Talea und unser Tourguide definitiv etwas zu lachen hatten.
Als unsere Gästen kamen, ein älteres Ehepaar aus Botswana, fing meine beste AM-Tour bisher an.
Zuerst waren wir bei den Vervets, Talea und ich gingen die Runde mit dem Bucket voll Miliepap (ob man das so schreibt, weiß keiner von uns) als ein paar von den outside Vervets uns umzingelten. Wir standen nur da, und stellten den Bucket ab und bewegten uns nicht. Wir riefen unseren Tourguide, er kam angesprintet, schrie die Affen an und lachte uns einfach nur aus.
Danke dafür.
Bei der letzten Futterschublade rutschte sie Talea aus der Fassung, landete auf dem Stromdraht und anstatt loszulassen hielt sie die Box weiter fest und bekam erstmal eine gewischt und sprang einen halben Meter nach hinten.
Wir schauten uns an und konnten uns das Lachen dann doch nicht verkneifen.
War dann doch schonmal ein guter Start.
Wir fuhren weiter zu den Löwen, doch unsere Gäste wurden von unsrem Tourguide ein wenig abgelenkt, den auf der anderen Seite lief ein Wildebeest durch den Busch.
Als dann plötzlich einer der Löwen an den Zaun geprescht kam und brüllte, sprang die Frau ihrem Mann auf einmal auf den Schoß und schrie los.
Wir alle lachten Tränen.
Nachdem wir etwas für unseren Bizeps getan haben und die super schweren Eselköpfe über den Zaun gehievt haben, versuchte Talea ein Bild von den beiden Löwen zu schießen.
Da dabei ihre Ruhe beim Fressen gestört wurde, rannte einer wieder mit Vollkaracho an den Zaun und sie stolperte nach hinten.
Zum Glück war die Dame aus Botswana gerade am Filmen und hatte das Ganze im Kasten.
Als wir dann zu den wild cheetahs kamen, und feststellen mussten, dass wir keine Eimer dabei hatten, meinte unser Tourguide nur: “Dann füttert halt vom Trailer aus.“
„Springen die hier nicht drauf, wenn da das Fleisch liegt?“
„Maybe.“
Na super.
Also standen wir auf dem Trailer, das Fleisch vor unseren Füßen und die ganzen cheetahs um uns rum, die uns erst hinterherliefen und dann mit ihrem intensiven Blick durchbohrten.
Das leise mauzen kann man kaum ernst nehmen, aber wenn sie einen dann genau in die Augen schauen, wird einem schon ein wenig anders, wenn sie kaum eine Armlänge von dir entfernt stehen.
Doch sie blieben auf Abstand und ließen uns auf unserem Trailer alleine.
Gestern hieß es dann plötzlich, wir sollen alle mitkommen und uns anschauen, wie eine Kuh gebährt.
Also liefen wir in der brütenden Mittagshitze zu der Kuh, die nicht mal ansatzweise Schwanger aussah, mit Ausnahme von ihrem Euter, welches kurz vorm Platzen war.
Aber nichts mit Geburt... der Mann von einer unserer Coordinatorin schob, ohne mit der Wimper zu zucken, seinen nackten Arm in den Anus der Kuh und fühlte.
“Yes, it’s alive.“
Ja gut.
Er zog seinen Arm mehrfach raus und schob ihn wieder rein. Holte sehr viel Scheiße raus. Wir schauten uns alle ein wenig angeekelt an.
“Anybody else?“
Alle lachten, überlegten, aber keine hatte dann doch die Eier dafür, einer Kuh in den Arsch zu fassen.
Das Wetter kippte dann gestern ziemlich schnell und wir schwammen auf einmal fast weg, als wir gerade auf einem Baboon walk waren.
Diese plötzliche Weltuntergangsstimmung hielt gefühlt ewig an und wir saßen im Foodprep fest, bis wir uns dann dazu entschlossen, doch zum Essen zu laufen. Also kamen wir dort komplett durchnässt an.
Und ihr werdet es nicht glauben:
Wir durften sogar mal drinnen essen!
Gestern Abend haben wir dann glaube ich das halbe Village aufgeweckt.
Wir standen vor der Cabin und haben noch ein bisschen geredet und eine Sprachnachricht an eine Freundin verschickt, als plötzlich aus dem nichts eine Katze angesprungen kam und fauchte.
Ich stand ganz hinten, Talea und Sina sprangen die Treppe zur Tür hoch, ich direkt hinterher und wir alle schrien los.
Wer genau anfing, weiß keiner mehr. Aber es ist auf jeden Fall auf Audio.
Wir standen da noch ca. 5 Minuten, mein Herz pochte und wir lachten uns halb tot. Aber zittern taten wir immer noch.
Alleine der Gedanke daran, dass mir hier bei 24 Grad schon kalt ist... ich will garnicht wissen, in welchen Zustand mein Körper verfällt, wenn ich am 01.03 morgens aus dem Flugzeug steige.







































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