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Heute Morgen wurde ich von einem Baboon in den Hintern gebissen, aber ansonsten gehts

  • Writer: Anna
    Anna
  • Dec 20, 2019
  • 5 min read

Das ich jetzt schon fast zwei Wochen hier bin kann ich kaum fassen, die Zeit vergeht viel zu schnell und zugleich fühlt es sich so an, als wäre ich schon ewig hier, und es ist einfach traumhaft.

Mit Löwengebrüll einschlafen und wieder aufwachen, fast rund um die Uhr von einem kleinen Vervet umgeben zu sein und trotz viel Arbeit nie die Schnauze voll von all dem hier zu haben, genauso habe ich es mir hier vorgestellt.

Gerade sitze ich bei brütender Hitze in meiner Mittagspause am Pool, einen Kaffee vor mir und Enrico, unser kleines Nesthäkchen, der die ganze Zeit auf uns rumturnt, schöner kann man seine Pause fast garnicht verbringen.

Ich weiß eigentlich garnicht, wo genau ich anfangen soll, denn jeden Tag passiert hier etwas Neues, Unerwartetes.

Und genau das ist es, was das ganze hier einfach so fantastisch macht.

Die Leute hier, die man kennenlernt und direkt ins Herz schließt und sich wünscht, viele würden nicht schon wieder fahren, denn jede Woche gehen Volontäre an einem Donnerstag und es kommen neue an einem Freitag.

Unsere Gruppe löst sich morgen so langsam fast komplett auf und es bleiben nur noch wenige über Weihnachten bestehen, sodass wir fest darauf hoffen, dass wir viele tolle Newbe‘s bekommen.

Am Anfang kam ich hier her und habe mich so auf die großen Tiere gefreut, wie die ganzen Cheetah‘s, Löwen, Leoparden und und und, dass ich mich im Endeffekt mehr auf die Vervet‘s und vor allem auf meine Teenager Baboons freue, hätte ich nie im Leben gedacht, da ich schon einen gesunden Respekt vor diesen Tieren hatte.

Denn es sind immer noch wilde Tiere und wenn ihr euch mal die Zähne anschaut... dann wird euch schnell mal anders.

Mit denen durfte ich übrigens auch schon Bekanntschaft machen ;)

Nachdem wir von einem der Walks zurückkamen, wo wir die Babies und die Baby Babies mithatten, die zwischen 2-4 Jahre alt sind, eine allerdings 6 Jahre, und wir sie versuchten zurück in ihre enclosure zu scheuchen, hielt ich die Tür vom Gate auf und spürte nur, wie sich plötzlich etwas in die rechte Seite von meinem Hintern bohrte.

Ich stand einfach nur da, umfasste mit meinen Fingern das Gate fester und Bewegte mich nicht.

Es fühlte sich an wie eine halbe Ewigkeit.

Ein Volontär kam angelaufen und schrie den Baboon an :“Gaan!“

Gott sei Dank, denn losgelassen hätte sie von alleine mit Sicherheit nicht.

Doch bis auf einen Riesen Schock, zwei Löchern und einen riesigen, fast Schwarzen, blauen Fleck, geht es mir gut.

Da sind meine Teenager doch viel entspannter.

Erst hatte ich super Respekt, keine Angst, aber schon dolle Respekt. Denn die sind schon eine Nummer größer als die anderen die wir hier haben und die zu pinnen ist ein Ding der Unmöglichkeit, vor allem für mich, mit meiner Muskelkraft.

Doch als ich das erste Mal das enclosure betrat, war alles super entspannt.

Der Alpha kam direkt zu mir, hat mich gegroomt, gut er hat auch versucht mich auszuziehen, aber das lassen wir ihn jetzt mal durchgehen, und sobald die anderen das gesehen haben, gab es bis jetzt nicht einmal Probleme.

Dadurch, dass die Gruppe auch älter ist, sind sie auch nicht so überdreht wie die kleineren, so dass man sich auch mal nach dem Füttern einfach für eine Weile reinsetzten kann und ein bisschen Qualitytime mit ihnen verbringen kann.

Doch auch die anderen Aktivitäten, wo wir uns aufs Cage Car oder den Hilux setzten, losfahren, mit Buckets voller Fleisch, manchmal nicht so schönen Sachen wie Gedärmen, einem Fötus o.ä., Schaufeln, Besen und Wasser, die Tiere füttern, Löcher schließen, Knochen aufsammeln, oder Wasserlöcher schrubben bis wir nicht mehr können, macht trotzdem irgendwie einen riesen Spaß.

Sonntag haben Alina und ich und dann unsere Schlafsäcke geschnappt und sind nach dem Abendessen zu Pride gegangen.

Für alle: Pride ist ein Cheetah.

Wir platzierten unsere Schlafsäcke halb unter einem Unterschlupf, denn es fing in der Ferne schon an zu Blitzen, aber wir waren guter Dinge.

Sie setzte sich schon direkt auf unsere Schlafsäcke, sodass wir uns erstmal nur unterhielten, mit ihr kuschelten, auf die Plattform setzten und dem Gewitter zuschauten, was sich in der Ferne zusammenbraute.

Dann fingen die ersten Tropfen an, auf den trockenen Boden zu treffen und wir hofften immer noch inständig, dass es sich um einen kurzen Schauer handelte.

Doch es wurde immer doller.

Also verzogen wir uns in die letzte Ecke des Unterschlupfs mit der Hoffnung, nicht Nass zu werden, doch Pride schaltete nicht so schnell und kam wenige Minuten später völlig durchnässt zwischen uns und leckte uns durchs Gesicht und breitete sich aus. Typisch Katze eben. Man sollte aber doch eben meinen, dass Katzen das Wasser meiden... Pride jedoch nicht, also rannte sie ab und zu raus, sobald sie trocken war und legte sich wieder zu uns.

Zudem wurde das Gewitter immer schlimmer und die Armer erschreckte sich immer zu Tode, sobald der Donner grollte.

Es hörte endlich auf zu regnen und schon kamen die Mücken, wir suchten im Dunkeln nach Mückenspray und ich dachte, die Nacht wäre schon fast vorbei.

„Was denkst du wie spät es ist?“

„Ich schätze mal 4 Uhr?“

„Es ist 12:44...“

Ich denke so unbequem habe ich noch nie geschlafen aber es war eins meiner besten Erlebnisse. Definitiv!

Doch kommen wir zu gestern Nacht. Dem Moment, wo ich mir fast in die Hose gemacht hätte.

Nach dem Abendessen haben 3 Volontäre und ich uns dazu entschieden zur Baboon Plattform zu gehen, mit ein paar Bier, etwas Musik und den Abend ausklingen zu lassen.

Unsere Headcoordinatorin meinte, bevor wir uns auf den Weg machten:“Just be careful, Sierra is our.“

Achja, wir hatten völlig vergessen, dass einer der Leoparden sich bei uns in der Gegend rumtreibt und schon zwei Esel gerissen hat.

Trotzdem gingen wir mit unserer Taschenlampe bewaffnet los und überlegten uns auf dem Weg, was wir eigentlich tun würden, wenn uns jetzt plötzlich etwas über den Weg laufen würde. So richtig einen Plan hatten wir alle nicht, aber wir kamen heile zur Plattform, hatten einen wunderschönen Sternenhimmel, Blitze im Hintergrund und sind heile zurück ins Village gekommen. Erst dort fing der Horror an.

Bis auf Alina und mir waren alle schon in ihren Cabins und wir wollten uns noch an den Pool setzen und unser Bier austrinken und ein wenig erzählen.

„Wollen wir uns auf die Liegen setzten?“

Ich überlegte.

Ein tiefes Knurren kam aus der Richtung hinter dem Bondfire.

„Anna..vielleicht sollten wir gehen.“

„Moment.“

Typisch ich, leuchtete ich erstmal mit meiner Taschenlampe genau in die Richtung, es knurrte nochmal, diesmal lauter, ich sah 2 Augen aus dem Gebüsch hervorschauen. Es knurrte nochmal.

„Anna, lass uns gehen!“

„Ja!“

Wir drehten uns um, irgendwie orientierungslos, liefen los und sperrten uns in die Toilette ein. Gut im Nachhinein die dümmste Idee.

Unser Herz schlug bis zum Himmel, wir atmeten so schnell und wussten nicht was wir tun sollten.

Als dann auch noch etwas um das Toilettenhäuschen ging, was sich mit schweren Schritten in die Kieselsteine vor dem Eingang bohrte, stockte uns der Atmen erst recht.

Wir waren gefangen und versuchten irgendwie wen aus den Cabins zu klingeln.

Gott sei Dank kam relativ schnell Verstärkung und wir konnten rauskommen.

Mit zitternden Beinen schauten wir nach Tracks, doch da der Sand so fest war, dass man nicht mal unsere Fußabdrücke sehen konnte, war das ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Coordinator per radio rufen oder es sein lassen? Das überlegten wir lange.. Wir entschieden uns dagegen, da wir Angst hatten, es wäre es Fehlalarm.

Als wir am nächsten Morgen erfuhren, dass die Möglichkeit bestand, dass Sierra uns einen kleinen Besuch abgestattet hat, schauten wir uns nur ziemlich sparsam an.

Gestern hatte ich, aufgrund des aktuellen Volontärmangels, mein Outsidefeeding alleine mit einem Coordinator.

Als wir closing holes machten, also die Löcher von der life line zu unserem Gebiet schlossen, stieg er auf dem Beifahrersitz ein und meinte nur:“You drive.“

Es gibt wirklich nichts besseres, als hier, mitten im nirgendwo, ohne Regeln, einfach durch die Gegend zu fahren, in einem Cage Car.

Mittlerweile bin ich hier an einem Punkt, wo ich alles um mich rum vergesse und hier und jetzt lebe, ob das immer so gut ist, weiß ich nicht, denn ich habe schon ein bisschen Angst.

Ich vergesse Beispielsweise wichtige Dinge wie Geburtstage und das echt häufig. Aber es ist auch gut, dass ich hier so glücklich bin und einfach nur lebe und mich frei fühlen kann. Und ich glaube das ist die Hauptsache.



 
 
 

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