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- Anna

- Dec 6, 2019
- 5 min read
Updated: Apr 6, 2020
Wassertropfen spritzen mir ins Gesicht, als der Fahrer mal wieder das Fenster aufmacht für eine neue Zigarette.
Denn gegen meine Erwartungen regnet es in Namibia. Gut für Natur, Tiere und Menschen und trotzdem ist es irgendwie warm.
So sitze ich jetzt also in dem Harnas SUV mit drei anderen Freiwilligen, nach über 22 Stunden Busfahrt und bin gespannt was mich erwarten wird.
Wirklich aufgeregt bin ich trotzdem noch nicht so richtig.
Diesmal sind zum Glück mehr Nationalitäten vertreten als im Kinderheim, denn ich sitze hier gerade mit Volontären aus der Schweiz, Brasilien und Venezuela. Also kann ich sowohl mein Englisch sowie auch mein Spanisch aufbessern.
Die Busfahrt mit dem Intercape war, ich würde sagen, interessant.
Nachdem wir bei 22h ganze 3 Pausen gemacht haben, und dabei nur 2 an Tankstellen waren, war ich gezwungen, das eine Mal auf der Bustoilette zu gehen. Ohne Wasser war das zwar absolut nicht schön, aber man nimmt, was man kriegen kann.
Meine Sitznachbarin eine Reihe vor mir lag zudem die ganze Zeit mehr auf meinem Schoß als auf ihrem eigentlichen Sitz und sägte einen ganzen Regenwald ab, was ich sogar durch meine Kopfhörer hören konnte.
Mein persönliches Highlight war jedoch die Grenzkontrolle.
Wir kamen zunächst an und gaben alle unseren Pass ab, dann wurden ca. 60% der Koffer stichprobenartig kontrolliert.
Natürlich auch meiner.
Es ist ja nicht so, dass ich mich beim packen drauf setzen musste, um ihn zuzubekommen...
Also wühlte die liebe Dame von der Grenzpolizei meinen Koffer durch und fand bis auf Kleidung, Shampoo und eine Flasche Wein natürlich nichts.
Mein Sitznachbar Heinrich und noch ein anderer der die Reihe neben mir saß halfen mir dann, meinen Koffer wieder zuzubekommen und in den Anhänger zu bringen.
Wir stiegen ein, fuhren 5m weiter und mussten wieder aussteigen.
Bekamen unser Visum und unser Bus musste durch einen Röntgenscanner fahren.
Welcher Koffer wurde wieder mit rausgeholt?
Ganz genau! Meiner.
Ich war echt kurz vorm durchdrehen. Ich stand da mit Heinrich, Markus und dem anderen, deren Namen ich leider tatsächlich vergessen habe, und war zum Glück nicht die einzige.
“Wetten es ist wegen dem Wein?”
“Ach Quatsch.”
“Where is the bottle of wine?”
Ach kommt schon!
Ich musste meinen Koffer schon wieder aufmachen, wegen einer blöden Flasche Wein. Diesmal bekam ich meinen Koffer sogar alleine zu.
Trotzdem bin ich froh, dass ich die 3 kennengelernt habe, denn die haben die elendig lange Busfahrt um einiges erträglicher gemacht und mich vergessen lassen, dass ich vor nicht mal 24h bitterlich geweint habe.
Kommen wir mal dazu.
Das mit der Abschied im Kinderheim so schwer fallen wird, hätte ich am Anfang nie gedacht.
Doch dann stand ich da gestern morgen, mit meinen Taschen vor Carli’s Bus und meinen Mitbewohnern und noch bevor ich die erste Person umarmt habe, schossen mir schon die Tränen in die Augen.
Diese emotionale Reaktion hat mich super überfordert, da ich das von mir eigentlich nicht kenne, vor allem, weil ich erst viel später weinen musste, als ich mich von meinen Eltern und Anki und Talli am Flughafen verabschiedet habe.
Auf jeden Fall werde ich jeden einzelnen von ihnen sehr vermissen, auch wenn es mal Streitereien wegen Kleinigkeiten wie Geschirrspülen oder die täglichen Gymgänge gab. Denn jeder von den 9 ist in seiner Art und Weise einzigartig, und diese Eigenschaften lernt man, wenn man jeden Tag aufeinanderhockt auch ganz schnell kennen und schätzen, auch wenn jeder seine Macken hat.
Auch die Kinder werde ich ganz dolle vermissen, denn da ist der Großteil fast parallel mit mir in die Ferien gestartet, also eigentlich der perfekte Zeitpunkt zum gehen.
Aktuell besteht das Kinderheim nämlich nur noch aus ca. 30 Kindern, was ziemlich trostlos ist, wenn dort sonst über 100 Kinder mehr rumrennen.
Ich habe mich am Mittwoch an den Bussen von fast allen Kindern verabschiedet, habe einigen noch Fotos mitgegeben und sie fest in den Arm genommen.
Die Vorstellung, all diese Kinder nie mehr wieder zu sehen habe ich bis jetzt irgendwie noch nicht so ganz realisiert.
Was ist mit ihnen wenn sie aus den Ferien wiederkommen? Wie geht es ihnen? Wo stehen sie in 5, 10, 15 Jahren? Was machen sie nach der Schule?
Man hat schon eine ziemlich starke Beziehung zu ihnen aufgebaut und sie auch zu einem, obwohl sie es eigentlich gewohnt sind, dass so viele Freiwillige kommen und gehen.
Viele wollten, dass ich ihnen verspreche, dass ich wiederkomme. Aber sowas kann und will ich nicht versprechen. Es wäre schön, aber ich selbst weiß nicht wo ich in einem Jahr stehe, also kann ich niemandem, vor allem keinem Kind, was sich dann Hoffnungen macht, versprechen, dass ich wiederkomme.
Selbst das Management meinte, sie hätten mich gerne nochmal da.
Da würde ich glaube aber abdanken.
Abgesehen davon haben sie einfach vergessen, dass ich gestern gefahren bin?
Ich habe die Zeit super genossen und hätten, wenn ich danach nicht noch ein Projekt hätte, wahrscheinlich auch verlängert, aber nochmal neu ankommen, alles neu und von vorne... wenn würde ich die Kinder besuchen kommen.
Dafür läuft mir dort einfach viel zu viel falsch.
Ich bin nur mit zwei Erwartungen dorthin gekommen: Zum einen, dass wir dort so arbeiten, dass wir das Gefühl haben, wir werden gebraucht und dass die Kinder dankbar sind.
Beides ist absolut nicht der Fall. Und das ist super schade.
Denn wir werden hauptsächlich für die Nachtschichten eingeteilt, was natürlich auch irgendwo wichtig ist, wir so aber unsere Freizeit aufopfern um den Nachmittag zu den Kindern zu gehen um Zeit mit ihnen zu verbringen, weil wir ihnen ja sonst nur beim schlafen zuschauen.
Macht man ja auch irgendwo gerne, also Zeit mit den Kindern zu verbringen, aber wenn man dann mal einen Ausflug geplant hat, sieht man die Kinder den Tag kaum.
Abgesehen davon musste man auch aufpassen, wenn man zu den Kindern gegangen ist, dass man nicht mit den älteren Jungs geredet hat, denn sonst wurden wir direkt reportet und durften bei der Managerin antanzen.
Das war einer der Punkte, den wir alle nicht verstanden haben. Wir bezahlen dafür, dass wir mit den Kindern arbeiten “dürfen” und dann dürfen wir nicht mit ihnen reden?
“You have to say you’re in a hurry and then go.” War ihre Aussage.
Ihr ist schon bewusst, dass wir alle volljährig sind und das alles Kinder? Ich weiß ja nicht, was genau sie sich da ausgemalt hat, aber das hat wieder mal nur gezeigt, dass sie absolut keine Ahnung von den Kindern und ihren Verhalten hat.
Ich hoffe jetzt einfach nur, dass ALLE Kinder nach den Ferien heile und gesund zurückkommen und keins traumatisiert oder abgemagert ist.
Ich werde diese Zeit für immer in meinem Herzen behalten und immer mit einem Lächeln daran zurückdenken, auch wenn es schwere Zeiten gab und manche Kinder es einem nicht immer einfach gemacht haben.
Jetzt wartet mein nächstes Abenteuer auf mich und ich bin gespannt wie es wird!
Und wie George, unser Küchenchef, so schon gesagt hat: “So you gonna work with animals there? Then you can stay here. These children are like animals!”
Jetzt bin ich endlich hier angekommen und wurde direkt gut aufgenommen und es startete direkt mit einer jagt von Ms. Piggy, dem Warzenschwein, die ausgebüxt ist, die Fütterung von Pride dem Geparden, tanzen und einem Bondfire. Also trotz des elendig langen Weges und des nicht so geilen Wetters ein super gelungener Tag!
















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