Paintball mit Raubkatzen
- Anna

- Mar 14, 2020
- 4 min read
Updated: Apr 12, 2020
Seit über einer Woche befinde ich mich nun illegal hier in Namibia. Pscht!
Mir war ja bewusst, dass hier alles seine Zeit braucht, doch dass sie wirklich so lange dafür benötigen, hätte ich jetzt nun wirklich nicht gedacht.
Besonders da sie mein Visum zuerst auf Deutsch beantragt haben und das natürlich nichts nützt und sie es jetzt erneut beantragen mussten.
Vielen Dank dafür.
Also falls ich in 2 Wochen nicht ins Flugzeug einsteigen darf, wissen wir alle woran es lag.
Obwohl es mittlerweile ja auch an der Massenpanik und den ganzen Sicherheitsmaßnahmen bezüglich des Coronavirus liegen könnte.
Mittlerweile haben wir hier, mitten im Busch, mehr Nahrungsmittel und Toilettenpapier in unserem kleinen Gaba-Shop als in Deutschland.
Aber wir werden sehen.
Hier ist auf jeden Fall heile Welt und die Sonne scheint endlich wieder, nachdem es fast eine Woche durchgeregnet hat und ich bei rund 18 Grad am frieren war.
Den Morgen, als der Himmel endlich wieder aufbrach, fuhren die Leaver, Flow und ich im Tour-car gerade von den beiden letzten Löwen der Morgentour los und die Sonne schien auf unsere klammen Klamotten. Die Laune stieg direkt zehn Level höher und zauberte allen ein breites Lächeln ins Gesicht.
Selbst Nachts wird es jetzt langsam wieder so angenehm warm, dass man nicht morgens mit eiskalten Händen auf dem Spielplatz beim Baboonwalk steht, während man den Affen beim spielen und dem Sonnenaufgang zusieht.
Mein Piratendasein habe ich Gott sei Dank auch endlich abgelegt und kann jetzt wieder mit beiden Augen die Welt betrachten, wenn auch manchmal noch etwas verschwommen.
Diese Woche sind wir mit der AM-Tour mitgefahren und durften dabei zusehen, wie der Mann der Farmleiterin, die Löwen markiert hat.
Das kann man sich in etwa so vorstellen:
Ein älterer Mann mit Sonnenbrille, einem Lederhut, einer Menge breiter Armbänder, camouflage Hose und beigen Hemd steigt aus einem alten Defender aus, mit einer... Paintball Pistole?!
Ja ganz genau, heute spielen wir einmal Paintball mit den großen Raubkatzen.
Spaß beiseite. In den Paintballkugeln ist ein Insektenschutzmittel enthalten, was die Fliegen davon abhalten soll, die Ohren anzufressen.
Denn diese sind von vielen unserer Tiere schon blutig.
Also lockten die einen die Löwen mit einem großen Stück Fleisch an und er schoss mit dem Mittel auf den Körper.
Ganz so lustig fand der Großteil das jetzt nicht wirklich, würde ich auch nicht, aber definitiv besser, als am Ende halb aufgefressene Ohren zu haben.
Diese Woche war einfach voll von wundervollen Dingen, dass ich garnicht weiß, wo ich anfangen soll.
Also fangen wir mal mit heute morgen an.
Ich wurde von einem lauten Knall mitten in der Nacht geweckt, und draußen tobte ein starkes Gewitter, es fing leicht an zu regnen und meine Mitbewohner und ich waren semi begeistert, bei Regen auf fence patrol zu gehen.
Also quetschten Sina und ich uns vorne zu unserer Coordinatorin in die Fahrerkabine und ließen die beiden Jungs hinten auf der Ladefläche sitzen.
Wegen des Gewitters waren die meisten enclosure ohne Strom, und kaum waren wir beim dritten Löwenenclosure angekommen, rief unsere Coordinatorin nur: ”Switch of the car!”
Und die Löwen stimmten in das Gebrüll der anderen ein.
Untermalt wurde das Ganze von einer Lichtershow von Blitzen und dem Beginn des schönsten Sonnenaufgangs, den ich je gesehen habe.
Danach fuhr ich fast mit der gleichen Gruppe auf hole closing und es war super entspannt.
Plötzlich rief Flow: ”Giraffe!!”
Und tatsächlich sahen wir alle drei Giraffen, die bei uns in der lifeline rumschlendern.
Das konnte nur ein guter Tag werden, wenn er schon so anfängt.
Später am Tag überkam viele, auch hier, die Corona Panik und tatsächlich reisen morgen sogar zwei Volontäre ab.
Was für die restlichen 28 nicht ganz verständlich ist, denn hier ist man allemal sicherer, denn wir befindet uns halt mitten im Nirgendwo, im Busch eben.
Abends saßen Laura, Lena, Joschka und ich dann noch bei mir auf der Terasse, schauten in die Sterne und hörten Lena’s unglaublichen Reisegeschichten zu, die fast zu verrückt sind, als das sie wahr sein können.
Das war definitiv das perfekte Ende für den gestrigen Tag.
Aber auch davor die Tage gab es viel zu lustige und schöne Erlebnisse, wie zum Beispiel das hole closing mit einem Volontär, der den Hangover seines Lebens hatte, wir ihn aus seiner Cabin geholt haben und er die ganze Fahrt über aus dem Auto hing, der Coordinator sein eines Bein festhielt und er seine Reste von der letzten Nacht auf dem Weg verteilte.
Zudem verbringe ich meine Mittagspausen jetzt mittlerweile immer öfter mit den Baboons und verstehe mich jetzt auch mit den kleineren immer besser.
Man braucht nur die Arme zu öffnen und sie springen einem direkt entgegen, hängen sich an deine Hände und man kann sie herumschwingen.
Dass die Beziehung dadurch immer stärker wird, macht sich auch auf dem großen Baboonwalk bemerkbar und sie kommen immer öfter zu einem.
Ach und einen kleinen Tipp an euch, wenn ihr mal angestaute Aggressionen rauslassen wollt, schnappt euch einfach eine Machete und haut auf Unkraut und Büsche ein, die wegmüssen.
Das tut echt gut und mit den richtigen Leuten macht es wirklich Spaß, auch in der prallen Mittagssonne.
Neustes Update: die Grenzen sind dicht für die nächsten 30 Tage. Also mal schauen ob ich hier so schnell wegkomme...




























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