Sleeping with weird noises
- Anna

- Feb 10, 2020
- 6 min read
Updated: Apr 11, 2020
Die Zeit verfliegt wie im Flug, und ich kann mir wirklich schwer vorstellen, meine Mittagspausen nicht mehr unter einem Baum mit Blick auf ein Wasserloch mit Gnus, Kudus, Antilopen, Zebras, Giraffen und einem Strauß zu verbringen. Zwar hat die Arbeit in der letzten Zeit ziemlich geschlaucht, was unteranderem auch der Grund für die lange Pause zwischen diesem und dem letzten Eintrag war, doch irgendwie hat man trotzdem jede Sekunde auf seine eigene Art und Weise genossen.
Es gab hier viel was sich geändert hat, es sind viele Leute gegangen, die mir sehr am Herzen lagen, was auch viele Tränen gekostet hat, es kamen viele neue Leute, gewohnte Abläufe wurden geändert, was für meinen inneren Perfektionisten nicht allzu leicht war, und viele Dinge, die sonst so einfach von der Hand gingen, klappen auf einmal nicht mehr und keiner weiß so recht woran das genau liegt.
Zudem bin ich jetzt die neue Village Mum, so ganz freiwillig war das ganze nicht, also eigentlich garnicht. Denn meine liebe Talea hat mich vor 2 Wochen verlassen und mir ihr Amt übergeben, sodass ich mich jetzt um all das kümmern muss bzw. darf. Irgendwie fühlt man sich dann auf einmal wirklich wie eine Mutti für die anderen. Obwohl man es in manchen Momenten garnicht müsste, macht man sich viel zu viele Gedanken um viel zu viele Dinge, was dann nochmal zusätzlich Kraft kostet, aber es zahlt sich am Ende irgendwo aus!
Dafür hatte ich mit Sina und Talea eine wunderschöne letzte Woche, angefangen bei Sinas und meinem Baboon Sleepout mit Bucksie und Jannemann.
Zuerst war ich mir wirklich nicht so sicher, ob ich da so Lust drauf habe.
11h eingesperrt in einer Holzhütte mit 2 Baboons auf dem Boden schlafen. Da wäre mein Bett dann doch schon definitiv komfortabler.
Doch Augen zu und durch, außerdem ist das Sinas letzte Woche, dachte ich mir.
Nachdem uns die Coordinator die Baboons samt Windel in den Arm drückten und die Tür hinter uns schlossen, schauten wir uns nur an und man merkte, dass wir absolut nicht wussten, was auf uns zukommt.
Doch sobald eine der Coordinatorinnen uns die Flaschen mit Milch durch die Fenster gab, und die beiden sie in unseren Armen tranken und dabei einschliefen, wussten wir, dass das einfach nur traumhaft schön wird.
Sie wachten noch einmal kurz auf, spielten mit unseren Taschenlampen, machten sie an, aus, an, aus, an, aus und versuchten krampfhaft Sinas Rucksack zu öffnen.
Anscheinend war das so anstrengend, dass beide sich jeweils einen Schoß aussuchten und rücklings einschliefen.
Wir legten uns hin und Jannemann klammerte sich an meine Seite und legte seinen Kopf auf meinen. Die ganze Nacht hatte ich mindestens einen Baboon bei mir, welcher sich an mich kuschelte und das tiefe ein- und ausatmen war so beruhigend, dass ich mit Sicherheit auch so gut geschlafen hätte wie die Beiden, wären da nicht diese Mücken gewesen, die in Scharen um meinen Kopf geflogen sind. Alle 5 Sekunden machte ich mit meiner Hand eine Bewegung um meinen Kopf, mit der Hoffnung, sie hauen ab, doch es klappte nicht.
Irgendwann fing Jannemann auch an, seine Hand so zu bewegen, anscheinend nervten ihn die Mücken auch dezent. Mein Herz ist die Nacht so oft geschmolzen, weil die beiden so herzallerliebst waren.
Leider zog sich die Nacht ziemlich, da ich nicht eine Sekunde schlief.
Gegen 5:30 wachten die beiden, mit vollgeschissener Windel auf. Es quoll aus beiden Seiten heraus und roch fürchterlich. Jetzt konnten Sina und ich uns vorstellen, wie es sich anfühlt, Mutter zu sein.
Nach ca. einer halben Stunde wurden wir von 2 Coordinatoren rausgelassen, machten die Windeln ab, und versuchten die beiden zurück ins enclosure zu befördern. Jannemann klammerte sich an mich, haute aber kurz vor dem Gate ab, und Angel entwischte aus dem enclosure, sodass wir, total übermüdet, erstmal 2 Baboons einfangen mussten.
Als wir Angel gerade hatten, fand sie das wohl nicht so lustig und biss mir durch meinen Pulli in den Arm.
So kann der Tag doch starten.
Danach war ich auf jeden Fall erstmal wach.
Doch der nächste Sleepout ließ nicht lange auf sich warten, denn am nächsten Tag wurden Sina, Talea, Daniel und eine der Coordinatorinnen, die hier auch mit uns am Anfang als Volontär war, zum Treehouse gefahren. Wir wollten gerade im Village losfahren, als das Auto nicht ansprang.
Wir versuchten den riesen Hilux zu 3 anzuschieben, doch auch das half nichts, er war komplett tot.
Also versuchte die Coordinatorin jemanden zu radion, doch es reagierte niemand.
Na super.
Erst so einen Stress machen, es sei zu gefährlich, in der Lifeline einen Sleepout zu machen, dann durften wir ihn nur mit der Prämisse machen, dass ein Coordinator, wegen dem Radio, und eine männliche Person dabei ist, und dann reagiert niemand.
Um 9:30.
Na vielen Dank auch.
Letztendlich kam dann doch ein anderer Coordinator und brachte uns ein anderes Auto, wir setzten in an der Farm ab und fuhren los.
Endlich angekommen, brauchten wir erstmal ewig, bis wir herausgefunden haben, wer am besten wo liegen sollte, was auf so einer unebenen Holzplattform, mitten in einem alten Baum, garnicht mal zu leicht ist. Unter Abermillionen von Sternen, mit Bier und Süßigkeiten, guter Musik und tollen Gesprächen, ließen wir den Abend ausklingen. Als wir uns alle eingekuschelt hatten, hörte ich ein tiefes Knurren. Nach dem zweiten Mal drehte ich mich vorsichtig um: “Guys?...“
“I think that‘s just Daniel.“
Nach den Tausend Warnungen vor Leoparden und es soll da bloß nicht nach Mensch riechen, ist mir doch kurz das Herz in die Hose gerutscht.
Ab 3 Uhr wurde es plötzlich so kalt, dass Talea und ich wach wurden, uns noch dicker einpackten, zusammenrutschten und kein Zentimeter mehr bewegten.
Mein Schal lag nun komplett über meinem Gesicht. Als von Talea dann auf einmal nur sagte :“Guys, look at the sunrise!“, öffnete ich meine Augen und sah nur schwarz. Ich pellte meine Arme aus dem Schlafsack und zog mir den Schal aus dem Gesicht.
Oh es war tatsächlich hell.
Der Sonnenaufgang war wirklich wunderschön. Wir saßen alle völlig verschlafen und am frieren, mit unseren Schlafsäcken aneinandergekuschelt, da und waren glücklich.
Zudem erweiterte ich in der letzten Woche meine Kompetenzen im Bereich der medizinischen Versorgung, als der größte Baboon mal wieder aus seinem enclosure ausgebrochen ist und gleich drei andere schwer verletzt hat, mussten ein paar andere Volontäre und ich beim Fäden ziehen assistieren.
Ohne Vorerfahrung hockte ich vor einem der Baboons mit einer riesen Wunde.
Die Farmbesitzerin drückte mir eine Schere und eine Pinzette in die Hand und meinte nur: “You can start.“
Ein bisschen unsicher fing ich an, die Fäden zu durchtrennen und zog vorsichtig am anderen Ende, da ich mich nicht traute, doller zu ziehen.
“Just pull it out.“, hörte ich jemanden hinter meiner Schulter sagen, also zog ich etwas doller und schon hatte ich das erste Stück Faden zwischen der Pinzette. Ich war dann aber doch ganz froh, als noch eine andere Freiwillige zum assistieren kam, die Veterinärmedizin studierte, und ich somit jemanden an meiner Seite hatte, der etwas mehr Ahnung davon hatte.
Es war ein super gutes Gefühl, trotz anfänglicher mangelnder Erfahrung, etwas richtig gutes Getan zu haben, was auch mal was anderes war, als unsere tägliche Arbeit.
Und da die letzten Tage und Wochen tatsächlich ziemlich an meinen Kräften gezehrt haben, und ich einen Vormittag auf Big Mac aufpassen musste, dass er nicht von seinem größerem Artgenossen Jackson attackiert wird, saßen wir beide gemeinsam auf der Wiese auf dem Gras unserer Farm, bis er auf meinem Schoß einschlief.
Nach gut einer halben Stunde wurde mir so langweilig und ich so müde, dass ich meinen Kopf auf seinen legte und mit ihm zusammen für gut eine Stunde in der Sonne döste. So kann man auf jeden Fall den Vormittag genießen.
Letzten Samstag teilte unsere head coordinatorin uns dann mit, dass wir den Tag darauf einen mud fight machen. Wir alle dachten erst, das wäre ein Scherz, denn es hat ewig nicht geregnet und es ist überall staubtrocken, also nahmen wir ihren Vorschlag nicht für voll. Doch als sie am Sonntag beim Nachmittagsmeeting meinte, es wären alle auf Foodprep, da wir spätestens um 5 PM losmüssten, damit wir es vom timing schaffen, schauten wir nicht schlecht aus der Wäsche.
Da wir momentan wieder mehr Volontäre sind, fuhren wir im Anhänger eines Treckers über eine halbe Stunde zu einem Matschloch.
Als wir ankamen, schauten wir uns nur an, bis die Schlammschlacht eröffnet wurde.
Keine 2s stand ich im Knöcheltiefen Schlamm, schon wurde ich umgetackelt und lag komplett im Matsch und war von oben bis unten voll mit dem dunkelbraunen Schlamm. Bei den Temperaturen tat das mehr als nur gut.
Also bewarfen sich 18 Volontäre und 5 Coordinatoren eine Stunde lang mit Schlamm, bis wir uns dann auf zum Secretswimmingpool machten, um den Matsch wenigstens etwas von unserem Körper abzuwaschen. Ob dort eine Black Mamba auf uns wartete oder nicht? Das wussten wir auch nicht so recht, aber die Chance stand 60:40, also passte das schon irgendwie, und der Schlamm musste ja irgendwie runter. So viel Spaß wie an dem Tag hatten wir schon lange nicht mehr gemeinsam.




































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