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9 Volontäre als Touristenattraktion

  • Writer: Anna
    Anna
  • Nov 12, 2019
  • 6 min read

Updated: Apr 6, 2020

Für diesen Post brauche ich jetzt schon viel zu lange, denn immer wenn ich denke: „so jetzt habe ich mal Zeit, ich setzte mich in Ruhe ran und schreibe einen Eintrag oder diesen hier einfach mal weiter“, verbringen wir unsere Zeit lieber mit den Kindern.

Denn das Wetter hier ist langsam so, wie man es sich in Südafrika auch vorstellt und die Kinder verbringen ihre Zeit auch endlich mal draußen, sodass wir uns an die Tische zu ihnen setzen können, mit ihnen Phase 10 oder Mensch ärgere dich nicht, was hier allerdings Ludo heißt, spielen, mit ihnen rumlaufen, Quatsch machen oder einfach nur hinsetzten, Gitarre spielen, singen und erzählen.

Bis sie dann irgendwann von den Childcareworkern reingeschickt werden, was wir nicht ganz verstehen können, da sie ja froh sein können, dass sie mal was vernünftiges machen, und nicht irgendwas verbotenes.

So kommt es dann, dass die älteren Jungs mittlerweile zu uns in die Backkitchen kommen, die Kamera umklappen, nur um sich mit uns unterhalten zu können. Auch schön zu wissen, dass es vernünftige Kinder gibt.

Trotzdem haben wir etwas in der vergangen Zeit unternommen und Südafrika ist entgegen aller Erwartungen Weltmeister beim Rugby Worldcup in Japan geworden und hat sich klar gegen England durchgesetzt.

Wir haben das Finale im völlig überfüllten Mojo-Market angeschaut und es war super schön zu sehen, wie alle mitgefiebert haben.

Wir fuhren also zu 9 mit unserem Golf I nach Kapstadt und waren das Highlight für Autofahrer und Fußgänger. Für die, die sich jetzt fragen, wie wir uns in dieses Auto reingequetscht haben?

- 2 in den Kofferraum

- 4 auf der Rücksitzbank

- 2 auf dem Beifahrersitz

Die Reifen müssen ziemlich platt gewesen sein, sodass schon von Weitem zu erkennen gewesen sein muss, dass bei uns etwas nicht ganz richtig sein kann.

Also lachten uns so ziemlich alle Autofahrer aus, zeigten und den Daumen hoch, einige machten sogar das Fenster runter und fingen an mit uns zu reden, fragten wie viele wir denn seien, zählten uns von alleine durch oder sagten nur ungläubig “fuck man“.

Warum gerade wir so besonders waren wissen wir bis heute nicht, immerhin fahren alle wie sie wollen, mal zu 10 auf der Ladefläche eines Trucks oder zu 3 im Kofferraum.

Vielleicht lag es auch einfach daran, dass unser Auto viel kleiner ist und fett “rentacheapie“ draufsteht.

Auf jeden Fall sorgten wir damit für Aufsehen, sowohl auf der Autobahn, als auch in Kapstadt direkt.


Als das Ergebnis des Spiels feststand, jubelten alle und viele weinten sogar.

Wir hatten uns vorher die Frage gestellt, ob es hier auch so etwas wie Autokorsos gibt, und sobald wir aus der Tür vom Mojo-Market kamen, fuhren alle ohne Regeln die Straße entlang, hupten, sangen und jubelten, standen auf Balkonen und tanzten.

Man bekam das Lachen garnicht mehr aus dem Gesicht, weil einen die gute Stimmung einfach gepackt hatte.

Wir schauten uns das Spektakel noch eine Weile an und gingen dann runter zum Seapoint Beach und legten uns kurz in die Sonne und überlegen, was wir jetzt noch mit dem angebrochenen Tag anfangen sollen.

Als ein grauer Gegenstand, den man auch eher als Stein identifizieren könnte, den Kopf hob, gingen wir vorsichtig hin, und dann lag dort tatsächlich, mitten am Strand, eine Robbe.

Die Versuchung war groß, sie einfach in den Arm zu nehmen, weil sie super weich aussah, aber ich denke, das wäre nicht so gut ausgegangen.

Da wir eh schon in Kapstadt waren, machten wir uns los Richtung Greenmarket Square, und nahmen am Autokorso teil.

Da Till, unser Fahrer, nicht Hupen wollte, kamen dauernd Hände von links oder hinten, die auf der Hupe gelandet sind.

Leute auf der Straße oder aus anderen Autos winkten uns zu oder lachten. Anscheinend kamen wir bei den Einheimischen super gut an.

Seit dem letzen Schichtplan, der übergangsweise nur für eine Woche erstellt wurde, da unsere liebe Charlotte in dieser Woche Geburtstag hatte, und sich dafür frei eingetragen hatte, und man deshalb nicht weiter als 7 Tage planen kann(?!), bin ich jetzt endlich auch als Fahrer tätig und durfte Kinder zur Schule und in den Kindergarten fahren und wieder abholen.

Ich dachte wirklich nicht, dass ich mich hier so schnell so gut orientieren kann, da mein Orientierungssinn hier dem eines Toastbrots gleicht, denn es sieht wirklich alles gleich aus. Doch schon nach dem ersten Tag konnte ich mir die Routen gut einprägen. Als ich am 3 Tag nicht mehr mit Anna neben mir fuhr, sondern mit Till, der mir andere Strecken vorschlug, um and Ziel zu kommen, war mein innerer Autist erst nicht so überzeugt, aber nahm es dann doch an. Sodass ich am 4 Tag dann einfach ins kalte Wasser geschmissen wurde, und alleine fahren musste, da bei einem anderen Fahrer für die kleineren Kinder kein Childcareworker da war, der ihn bei der Fahrt begleiten konnte und so Till mitmusste. Also stand ich da und musste die Routen, und die Kinder irgendwie unter einen Hut bekommen und es klappte, Gott sei Dank, alles. Bis auf ein paar kleine Zwischenfälle, die definitiv der Nervosität geschuldet waren.

Wer denkt denn schon ans Lenkradschloß bei einem steinalten Bus? Da ist es doch naheliegend, dass der Schlüssel klemmt.

Also erstmal kurz Panik bekommen. Kurz telefonieren. Lenkrad drehen. Oh... “Auntie, you saved our lives!!!!“ Natürlich ☝🏼.


Als Driver hat man zwar einen sehr anstrengenden Tag und auch manchmal Kinder, die einen mit Essen oder sonstigem abwerfen, aber auch viele schöne Gespräche und man sieht super viel! Um solche stressigen Tage ausklingen zu lassen, haben wir jetzt schon öfter einfach Decken eingepackt und sind wieder viel zu überladen in unser kleines Gefährt gestiegen und ab Richtung Big Bay gefahren, wo wir uns Pizza & Corona geholt haben und bei Musik und guten Gesprächen den Sonnenuntergang angeschaut haben. Anschließend lagen wir auf den Decken und schauten uns den Sternenhimmel an und schauten zu, wie die Wellen brachen, mit dem Rauschen des Meeres im Hintergrund.

Genau solche kleinen Momente machen das Leben lebenswert.

Vorgestern waren wir in Muizenberg und ich wagte mich das erste Mal mit einem Surfbrett, bei viel zu starkem Wellengang, ins Meer. Da uns vorher niemand darüber informiert hat, dass der Tag nicht für Anfänger geeignet ist als wir uns die Boards ausgeliehen haben, haben wir ziemlich blöd ausgesehen, als wir permanent untergespült wurden.

Da wir kaum jemanden eine Welle nehmen sahen, fühlten wir uns nicht ganz so schlecht und als uns der Typ vom Verleih dann steckte, dass der Wellengang schon krass sei, und definitiv was für Profis, dachten wir uns alle unseren Teil. Wir hatten trotz wenig Erfolgserlebnis super viel Spaß und stiegen komplett kaputt wieder ins Auto und fuhren zurück ins Kinderheim. Denn bei mir stand wieder Nightshift auf dem Plan 🙄. Ich landete bei den etwas älteren Jungs, die komplett aufgeputscht waren, und wie die Irren durchs Haus rannten, gegen Türen rannten und mich antanzten. Ich war froh, als sie endlich Richtung Bett marschierten und einer der Jungen sich mit mir für gut eine Stunde unterhielt. Er erzählte mir erst banale Dinge, bis wir dann darauf zu sprechen kamen, dass ich schon am 5.12 fahre.

„Wirst du uns vermissen?“

„Ja!“

„Schau mir dabei in die Augen.“

„Werde ich wirklich. Nicht alle, aber sehr viele von euch.“

„Ich werde dich auch sehr dolle vermissen. Das ist immer sehr schwer für uns, dass so viele neue Volontäre kommen, eine Beziehung zu uns aufbauen und dann einfach wieder gehen.“

Danach redeten wir noch über das Kinderheim im allgemeinen, da es einen neuen principle geben soll, da der alte gestorben ist, was auch dringend notwendig ist, denn es wird sonst vermutlich geschlossen. Er meinte, er macht sich vor allem um die Kinder Gedanken, die niemanden mehr haben, er selbst habe zwar selbst kaum jemanden, da seine Mutter gestorben ist als er 2 Jahre alt war und außer sein Cousin und sein Bruder habe er auch niemanden mehr.

Sowas aus dem Mund eines gerade mal 11 jährigen zu hören, tat mir irgendwie weh. Dieser Junge hat überall Verbrennungen, ich will garnicht wissen, was er in seinem Leben alles schon durch hat, dass er sich mit solchen Problemen beschäftigt.

Unser Gespräch wurde von Nachrichten, in schlechtem Englisch, vom Shiftleader beendet.

“The boys must go sleep.“

“?“

“?“

“?“

“?“

“?“

“?“

Damit wir die Nachrichten schneller lesen, kommen meist hinter jede Nachricht Fragezeichen. Also machte ich das Licht in seinem Zimmer aus und setzte mich auf einen der Sitzsäcke.


Ich würde mir wirklich für viele von den Kindern hier wünschen, dass sie eine gute Zukunft haben, oder wenigstens ein Ziel, auf das sie hinarbeiten. Nur leider haben das die wenigsten. Gestern Abend haben wir uns mit einem unterhalten, der auf eine der besten Privatschulen geht und wirklich gute Chancen hätte, aber kaum zur Schule geht, weil er zu faul ist. Eine andere zum Beispiel will Medizin studieren und steht morgens schon um 2 auf um zu lernen.


Heute wird unsere kleine WG aber erstmal erweitert und wir bekommen unseren 9ten Mitbewohner, und ich bin sehr gespannt, wie das wird!

Denn meine letzten 23 Tage laufen und ich freue mich riesig auf Namibia aber so wirklich weg von hier möchte ich garnicht.












 
 
 

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