What doesn’t kill you ...
- Anna

- Oct 26, 2019
- 5 min read
Updated: Apr 6, 2020
“I blessed the rains down in Africa.” trifft es gerade ganz gut, denn es schüttet wie aus Eimern, und das schon die ganzen letzten Tage.
Da das Wetter hier aber genauso schnell wechselt wie meine Stimmung, kann es sein, dass man so gut wie alle vier Jahreszeiten an einem Tag abbekommt.
Der Regen tut aber nicht nur der Natur und der Wasserversorgung hier gut, sondern auch den Kindern, denn die lassen uns jetzt Gott sei Dank in unserer Wohnarea in Ruhe, was das letzte Wochenende leider nicht der Fall war.
Woran das ganze gelegen hat? Das wissen wir auch nicht so recht.. Ob sie wirklich nur Essen oder Geld für Zigaretten, Drogen und Alkohol wollten? Man weiß es nicht, denn sie haben ja nicht richtig mit uns geredet.
Es schaukelte sich auch nicht wirklich hoch, es war mehr eine explosionsartige Reaktion.
Am Freitag kamen sie schon gegen Abend bei uns vorbei, klopften an die Türen, warfen kleine Steine und beleidigten uns auf Afrikaans und versuchten in unsere Zimmer einzubrechen.
Da gerade load shedding in unserem Stadtteil war, funktionieren weder die Sicherheitskameras noch das Licht, und zu guter letzt ist auch noch das komplette Netz zusammengebrochen und wir konnten niemanden erreichen, der uns auch nur in irgendeiner Weise helfen konnte. Wir könnten ja nicht ahnen, dass das ganze auch mit Strom nicht viel anders aussah...
Am Samstag war dann der Culture Day, der bis ca. um 1 ging, wo wir für die Kinder und deren Eltern und Familienangehörig und Freunde gebacken haben und die Kinder auch etwas auf die Beine gestellt hatten. Es war ein DJ da, der die Kinder mit deren Lieblingsmusik versorgte und alle, sogar die Tannys, tanzten. Und ja, sogar ich habe mitgetanzt und wurde von allen angefeuert, was mir sichtlich unangenehm war.
Doch die gute Stimmung ließ schnell nach, denn kurz nachdem wir alle in unserer Küche saßen, kamen die vier Mädchen wieder und machten unseren Samstag zur Hölle.
Es begann damit, dass sie erst wieder an Türen und Fenster schlugen. Noch ignorierten wir sie, doch als dann Steine in unsere Küche flogen hatten wir doch genug, und wir meldeten das ganze dem shift leader. Natürlich keine Reaktion.
Zwei von uns rannten los um so irgendwen zu erreichen, der uns die Kinder vom Hals schafft und wir versuchten zu dritt, die Tür zu bewachen, da sie sich mit aller Kraft versuchten, einen Weg nach drinnen zu verschaffen.
Sie hatten schon den Tag davor das Schloss angekokelt, und wir waren uns nicht mehr sicher, wie viel es noch aushalten kann.
Also steckten wir Schläge ein, wurden bespuckt, getreten, beleidigt, wurden von unzähligen Steinen getroffen, mir wurde an den Haaren gezogen, der Junge unter uns Dreien wurde mit einem Messer bedroht, und wir werden angeblich alle bald von dem Vater der einen ermordet. Also, es war schön euch gekannt zu haben 🙄.
Als die beiden dann natürlich ohne Verstärkung zurückkamen, sondern lediglich mit der Anweisung: “Dreht die Kamera weg und schlagt zurück.”
Nur mal so fürs Protokoll: Die Mädchen sind zwar Monster, aber trotzdem erst 11-13 Jahre alt.
Wir schlossen uns also wieder ein und versuchten sie zu ignorieren, doch als es auf einmal laut knallte und unsere Scheibe einen großen Sprung hatte, platzte einem aus unserer Gruppe der Kragen, er schmiss die Tür auf, kletterte zur Kamera hoch, schnappte sich die, die die Anderen zu allem anstiftete. “Anna, halt mal die Mülltonne auf.”
Sie war den Tränen nahe und wir meinten sie soll einfach gehen und uns in Ruhe lassen und die drei Anderen kann sie gleich mitnehmen.
Doch auch das brachte nichts.
Es wurde nur schlimmer.
Sodass die “großen” Jungs kommen mussten und sie verscheuchten mussten, da selbst den Tannys überfordert waren und ihnen komplett die Hände gebunden.
Sie standen nur dort und filmten die ganze Situation, da keiner mehr auf sie hörte und sie sich nicht anders zu helfen wussten, als Beweismaterial zu sammeln.
Wir dachten nach dem Tag wäre das Thema durch, aber falsch gedacht.
Sonntagmorgen. Punkt 9. Und schon standen sie auf der Matte und schlichen an unserer Küche vorbei, turnten auf unserem Dach rum und zack, waren sie in unserem Badezimmer und klauten Kosmetikartikel, Scheren, etc. von einer aus meiner WG.
Sie versuchte sie wieder zu bekommen doch die Mädchen waren schneller.
Da wir es nicht wieder so weit kommen lassen wollten, liefen wir direkt los Richtung Kinderhäuser. Doch niemand war da.
Klar. Sonntag. Alle waren in der Kirche. Selbst die Jungs die uns sonst verteidigen.
Nur die 4 Terrorkinder nicht.
Wir schrieben dem Shift leader, der sich selbstverständlich auch in der Kirche befand, aber danach direkt bei uns einfand, nur leider zu spät.
Bis dato versuchten sie uns mit Ziegelsteinen zu schlagen, kamen mit riesigen Eisenstangen an, warfen ebenfalls mit Ziegelsteinen gegen unsere Scheiben, schlugen uns, beleidigten uns und und und.
Plötzlich rückte eine Armee von größeren Kindern an.
Steine flogen, ein Junge verprügelte die Drahtzieherin. Sie sprangen über die Zäune und die Straße, selbst ein Fremder mischte sich ein.
Auf einmal waren diese großkotzigen Gören ganz klein mit Hut.
Trotzdem traute keiner dem kurzen Moment der Stille und prompt stand die Managerin unseres Kinderheims bei uns in der Küche und verwies uns alle, zu unserer eigenen Sicherheit, dem Gelände.
Da die Wetteraussichten nicht so gut waren, schmiss ich nur auf gut Glück meinen Bikini in meinen Jutebeutel und dann quetschten wir uns schon alle zu acht in unseren Golf 1.
Vermutlich ist er deshalb jetzt kaputt? 🤔 Aber schieben wir es einfach mal auf irgendwelche andere Ursachen.
Als wir unseren freien Tag dann tatsächlich bei strahlen blauen Himmel und guten Temperaturen am Big Bay verbrachten, konnte man sogar gut abschalten.
Ich meine bei so einem fantastischen Ausblick auf den Tafelberg, Sonnenstrahlen auf der Haut und das Rauschen des Meeres bleibt einem ja fast nichts anderes übrig!
Nach dem Tag gab es hin und wieder noch ein paar kleine Zwischenfälle, welche aber bei weitem nicht an die des Wochenendes rankommen.
Immer wieder wird uns gesagt, wir sollen denen mal eine gehörige Respektschelle verpassen. Klar. Die meisten Kinder hier kommen aus genau so einem Umfeld, und genau so sollen wir dann auch kontern?!?
Natürlich handeln sie so, wenn sie es nicht anders kennen, aber dann müssen ihnen andere Wege aufgezeigt werden.
Man kann nunmal nicht Feuer mit Feuer bekämpfen.
Nur leider ist das hier bei der Erziehung der Kinder nicht so ganz angekommen, und das ist ziemlich traurig mit anzusehen.
Dafür haben wir heute morgen einen Frühstart hingelegt und sind in ein Wine Estate gefahren, mit dem Pfarrer der Gemeinde von Durbanville, wo ein 5km Lauf stattfand.
Der Pfarrer war gegen jedes Klischee super jung und komplett modern unterwegs und hat den Tag für uns Freiwillige organisiert gehabt, da er von den Zwischenfällen mit den Kindern gehört hat.
Da viele der Freiwilligen und ich noch angeschlagen waren, sind wir ein wenig spazieren gegangen und haben, bei endlich wieder gutem Wetter, ein super Frühstück mit klasse Aussicht genossen.
Anschließend hieß es dann ab in eine Bar und Rugby mit Einheimischen und dem Pfarrer und seinen Freunden schauen.
So ganz haben wir die Regeln alle nicht verstanden und Maja und ich sind uns sicher, dass es da auch garnicht so wirklich feste Regeln gibt, sondern diese Schränke einfach mit dem Ball machen, was sie wollen. Also treten aber nur nach vorne, passen nur nach hinten und werfen überall? Und wenn ein Mitspieler im Weg steht, schmeißen sich alle wild aufeinander?
Morgen werden wir nochmal unser Bestes geben, die Spielregeln zu verstehen, denn dann spielt Südafrika gegen Wales und wir mischen uns wieder unters Volk! 🥳


















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